Handel und Wandel am Rande der Mitte - ein Stimmungsbild   (4,0 based on 4 ratings)    viewed: 1111x
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Labels

1 Richtung Camsdorfer Brücke
2 Straßenbahn Richtung Jena-Ost
3 Neubau von 2013
4 Uhrmacher Hennemann
5 Zeile 1930er Jahre
6 Straßenbahn Richtung Stadtzentrum
7 sog. Kupferhütchen
8 Jentower
9 Stadtkirche St. Michael
10 Wanddeko ehem. Osteuropa-Imbiss
11 Hotel Schwarzer Bär
12 Neubau Stadtverwaltung
13 Sitz Oberbürgermeister

Details

Location: Jena, Steinweg (145 m)      by: Wolfgang Bremer
Area: Germany      Date: 10.12.2014
Der Jenaer Steinweg führt vom mittelalterlichen Stadtkern auf kürzestem Wege nach Osten zur Camsdorfer Brücke. Die Verbindung zum Saaleübergang, der wohl der eigentliche Grund gewesen war, daß sich hier eine größere Siedlung entwickelte, war schon in Jenas Frühzeit den Stadt- und Landesherren so wichtig, daß für diese Strecke als eine der ersten eine aufwändige Pflasterbefestigung in Angriff genommen wurde - so kamen Steinwege oder Steinstraßen in alten deutschen Städten zu ihrem Namen.
Ab dem Bau der Eisenbahnen und mit der Entwicklung unseres heutigen Fernverkehrsnetzes kam der Steinweg aus der Mode; den Verlauf der alten Handelsstraße Richtung Bürgel - Eisenberg - Gera und weiter nach Sachsen, Böhmen, Schlesien zeichnen jetzt die vielbefahrenen B7 und A4 nach. Weil ein innerstädtisches Ziel für nennenswerte Fußgängerströme fehlt und der verkehrsreiche Innenstadtring zudem den Laufweg Richtung Stadtkirche und Marktplatz unterbricht, macht die Gegend eine eher trübe Zeit durch; sollte das Bild eine gewisse Tristesse verbreiten, dann auch, weil ich auf freundlicheres Licht nicht länger warten konnte: Die hastig eingerichtete Baustelle auf der Nordseite schien keinen Aufschub mehr zuzulassen. Tatsächlich war drei Tage nach den Aufnahmen die Gehwegplatte, auf der ich stand, schon weggebaggert. Es tut sich also was im Steinweg!

Was mir noch nennenswert ist:
Der Neubau von 2013 zeigt den Pegelstand innerstädtischer Baugestaltung: Neue Häuser müssen nicht nur teuer sein, sondern auch billig aussehen.
Ausgerechnet der Uhrmacher Hennemann, der von der Vergänglichkeit lebt, ist der stabile Anker im Steinweg. Es ist das einzige Geschäft, das es schon 1983 gab, als ich hier das erste Mal herumspazierte.
Die Sanierung der langen Zeile aus den 1930er Jahren ist nach dem Tausch der Fenster offenbar steckengeblieben. Sogar in einer wachsenden Stadt mit gefühlten minus vier Prozent Wohnungsleerstand kommt so etwas vor.
Nicht jeder Geschäftsbetrieb führt automatisch zur Belebung oder Verbesserung des Straßenbildes.
Wenn es gut geht, entsteht in den nächsten Jahren auf der Brachfläche hinter der Baulücke rechts ein neuer Uni-Campus, dann dürften ganz neue Zeiten kommen für den Steinweg.
In der Baulücke selbst stand ein Haus mit Lebensmittelladen; der viel zu kleine Konsum war einer der ersten, die gegen Rewelidlkauflandaldiedeka aufgaben, das DDR-vernachlässigte Haus war irgendwann nicht mehr zu halten.
Schon lange aufgegeben hat auch ein Stehimbiss mit Angebotsschwerpunkt Osteuropa. Seine Wanddekoration ist noch da.

Kamera : Olympus VR-320
Bilder : 11x JPG HF freihand
Brennweite: 4,2 / 24
Blende : 3,0
Belichtung: 1/25 bis 1/50
Software : Hugin, Gimp, IrfanView

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Comments

Gut gemacht mit einer interessanten Geschichte dazu, wobei das in (fast) jeder mitteleuropäischen Stadt sein könnte. Missratene "Architektur" gibt es überall und die Krake der Goldankaufs-, Telefonkarten- und Billigtextilgeschäfte wuchert ebenso in fast allen Städten. Aus "PC" verzichte ich auf die Nennung diverser Imbissbuden.

Beste Grüße,
JE
2015/01/26 16:19, Jörg Engelhardt
Eine sehr beeindruckende Schilderung! DANKE !!!
2015/01/30 08:04, Christoph Seger

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Wolfgang Bremer

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