Ehemaliger Steinbruch und ehemalige Aue   (4,0 based on 14 ratings)    viewed: 2055x
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45 Limberg 535m
46 Hangkante der Abbausohle

Details

Location: Steinbruch Mönchsberg bei Jena (290 m)      by: Wolfgang Bremer
Area: Germany      Date: 01.06.2014
Die leicht ortsveränderte und stark erweiterte Rundumvariante zu Nr. 15378 scheint in zwei Teile zu zerfallen, wobei die Teile mehr miteinander zu tun haben, als man ahnt:

Ende 1885 hatte der norddeutsche Unternehmer Godhard Prüssing in Göschwitz eine Portlandzementfabrik gegründet; 1886 begann dafür der Abbau von Unterem Muschelkalk am Mönchsberg. Produktion und Absatz vor allem im mitteldeutschen Raum liefen wechselnd wie Wirtschaft und Politik im 20. Jahrhundert, nach 1945 als VEB Zementwerk Göschwitz. Schon zu Godhard Prüssings Zeiten hat es eine wirkliche Aue im Jenaer Saaletal kaum noch gegeben, allerdings boten Felder, Weiden und eingestreute Gärten zumindest ein naturhaftes Bild. Das Ende dafür kam Mitte bis Ende der 1960er Jahre, als nach weitreichenden Beschlüssen des RGW - östliches Gegenstück zur EWG - der Standort Jena zum Zentrum des wissenschaftlichen Gerätebaus für den Ostblock ausgebaut werden sollte. Flächen für die nötige Erweiterung und Neuanlage von Produktions- und Entwicklungsgebäuden fanden sich ausreichend nur im Überschwemmungsgebiet der Saale südlich der Stadt, aber es galt als sicher, die Saaletalsperren würden den Talboden ja trocken halten. Also siedelte man ab ca. 1966 Betriebsgebäude an, die später als Betrieb Göschwitz oder U-Betrieb des Kombinates VEB Carl Zeiss Jena firmierten. Schnell stellte sich heraus, dass die Nachbarschaft mit dem rauchenden und staubenden Zementwerk höchst untauglich war für Reinraumproduktion und Präzisionsfertigung. Also wurde kurzerhand das Zementwerk zunächst geschlossen - nebenbei ein Segen für Umwelt und Anwohner - und der Steinbruch Mönchsberg 1967 stillgelegt. Da natürlich die neuen Anlagen - und auch die bestehenden Werke in der Stadt - Personal brauchten, welches zeitweise DDR-weit angeworben oder gar per Absolventenlenkung nach Jena gelotst wurde, hatte sich der Bedarf an Wohnraum derart vergrößert, daß nur noch die Plattenbauweise und das Wohnungsbauprogramm der DDR annähernde Abhilfe schaffen konnten. Hier bot sich die zweite Karriere fürs Zementwerk an: Man baute es um zum Fertigteilwerk für die Bauelemente, die man fast gleich um die Ecke zum neuen Stadtteil Neulobeda zusammensetzte. Nur den Zement mußte fortan bis 1989 die Saalebahn heranschaffen...
Der Steinbruch mit seiner markanten Abbauwand sah sich nach kurzer Ruhe als Schießplatz wieder. Die Kalkschuttkegel am Wandfuß machten sich perfekt als Kugelfänger für die Ausbildung von Polizei und Betriebskampfgruppen. Selbst die männlichen Lehrlinge des Zeiss-Kombinates "durften" hier in den 1980er Jahren im Rahmen der sog. vormilitärischen Ausbildung Schußproben ins Gestein pfeifen lassen. Zum Glück hat ein Naturschutz-Großprojekt auf Bundesebene den Mönchsberg im Laufe der 1990er Jahre beräumt und in den Ring der Naturschutzgebiete um Jena integriert. So kann der Mensch heute mit Blick auf die zugebaute Aue im Tal dabei zusehen, wie sich die Natur die Flächen auf der Höhe zurückverwandelt. Das heutige Gewerbegebiet Göschwitz steuert unterdessen nicht unwesentlich bei zur Wirtschaftsleistung im "München des Ostens".

Kamera : Olympus VR-320
Bilder : 15x JPG QF, Stativ
Brennweite: 6,6 / 37 mm
Blende : F 9,9
Belichtung: 1/1000
Software : Hugin, Gimp, IrfanView

Comments

Schöne Sicht und interessanter Beitrag
2014/12/01 04:47, Thomas Janeck
Ein attraktiver Standort Deiner Heimat, die Du uns immer mehr erschließt - dazu wie immer von Dir "geschmückt" mit interessanten Ausführungen!

Herzliche Grüße
Hans-Jörg

NB: ... mein erster Eindruck zu den Wolken war, dass diese eine leichte Magentafärbung haben!?!
2014/12/02 21:36, Hans-Jörg Bäuerle
Neu geladen 
Danke, Hans-Jörg, für Deinen Hinweis, der völlig richtig war. Ich muß mich unterwegs im Zoo der Zwischenschritte vergriffen haben und hatte offenbar eine falsche Datei zum Skalieren und Hochladen genommen; der jetzige Zustand wirkt insgesamt natürlicher und dem Aufnahmemoment entsprechend.
Es grüßt Wolfgang
2014/12/03 00:08, Wolfgang Bremer
Leider werden ja aufgelassene Steinbrüche wie im Altmühltal auch zu Funparks für Mountainbiker und Motorradfahrer umgestaltet, umso schöner wenn auch mal einer als Sekundärbiotop übrigbleibt, wenn auch die Primärbiotope (-ein solches waren ja vermutlich die von Dir beschriebenen Salleauen) immer mehr verschwinden. LG Wilfried
2014/12/03 10:02, Wilfried Malz
Das Pano allein gesehen finde ich nicht so prächtig (geringe Überstrahlungen). Das Motiv mit vollem Rundumschwenk scheint zunächst auch etwas seltsam. Im Kontext mit Deiner Beschreibung wird das Ganze jedoch zu einer ausgezeichneten Dokumentation.
P.S.: Das Reload hat sich gelohnt, die erste Version gefiel mir wegen der Färbung nicht.
LG Jörg
2014/12/03 21:29, Jörg Nitz
Was gab oder gibt es in Jena? Glas oder Porzellan?
Gruss Walter
2014/12/06 09:43, Walter Schmidt
Hallo, Walter, Jena ist eine Glasstadt. Carl Zeiss hatte 1846 eine erste feinmechanisch-optische Werkstatt eröffnet, nicht wie gewollt in Weimar, weil dort der Fürst keine Industrie in seiner Residenz zu haben wünschte, sondern wegen der Nähe zur forschenden und studierenden Kundschaft in Jena mit der Universität. 1866 gewann er den Physiker Ernst Abbe für sein Unternehmen, der die Herstellung optischer Bauelemente auf eine zu berechnende theoretische Grundlage gestellt hatte und die Wirkprinzipien für die ständige Verfeinerung der Apparate nachvollziehbar und reproduzierbar machte; bis zu Ernst Abbes Eintritt hatte man bei Zeiss "gepröbelt", also nach Versuch und Irrtum gefertigt. Die tatsächliche technische Kontinuität und Massentauglichkeit der Produktion kam allerdings erst mit dem Hinzustoßen von Otto Schott zustande, der als Glaschemiker neue Glassorten entwickelt hatte, bis dato unerreicht hinsichtlich ihrer optischen Eigenschaften und ihrer stofflichen Homogenität. Aus dem 1884 mit Zeiss und Abbe zusammen gegründeten Glastechnischen Laboratorium entstand das bekannte Jenaer Glaswerk Schott und Genossen, legendär in Industrie und Haushalt für das feuerfeste Jenaer Glas.
Die Frage nach Porzellan ist aber genauso berechtigt: Im Städtchen Kahla zu Füßen der Leuchtenburg, die im Bild auch wieder zu sehen ist, gibt es eine namhafte Porzellanfabrik, und das schon seit 1844.
Es grüßt Wolfgang
2014/12/06 23:01, Wolfgang Bremer
Vor rund 20 Jahren stand ich auch schon einmal in diesem Steinbruch zur Aufnahme des dortigen Muschelkalkprofils (Jena-Formation).
Schön, wie sich mittlerweile hier oben über dem Saaletal alles entwickelt hat. Damals lag allerdings noch ziemlich viel Unrat herum, u.a. auch zahlreiche vollverzinkte SERO-Tragekisten.
Diese robusten Teile haben mich noch lange Jahre bei der Feldarbeit als unverwüstliche Transportbehältnisse begleitet.
Herzliche Grüße, Matthias.
2014/12/16 21:55, Matthias Stoffels
Vielen Dank 
an alle, die sich mit meinem Bild beschäftigt haben, ob mit oder ohne Kommentar (wobei mit freilich schöner ist). Ich war in letzter Zeit Panorama-Photo-Net-mäßig etwas abwesend und schiebe nun wieder einen 'Berg' von Beiträgen vor mir her, zu denen ich ggf. etwas äußern möchte. Schaun´ mer mal, wie das in den Griff zu kriegen ist.
Es grüßt Wolfgang
2014/12/17 00:01, Wolfgang Bremer
Die Besonderheit in der Wahl des Standortes finde ich gelungen und habe mir alles mit Interesse betrachtet. Sehr schöne komplexe Arbeit Herzliche Grüße Velten
2014/12/22 04:47, Velten Feurich

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Wolfgang Bremer

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